02.01.16  Blanc Mesnil SP.F.B vs. FC Nantes

Der Spielplan des Coupé de France gab für mich dieses Jahr nicht allzu viel her. Samstag und Sonntag je ein Spiel, aber ohne Übernachtung eigentlich sinnlos. Und da meine Frau Samstags arbeiten musste waren Besançon oder Mühlhausen nur einzeln was Wert. Somit war schon mal klar dass es am Sonntag nach Mulhouse ins Stade de Ill gehen würde. Der Samstag wäre somit für andere Schandtaten sozusagen Prädestiniert. Also nochmal alle Spielansetzungen durchstöbern und tatsächlich etwas Besonderes ausgegraben. Ein Doppler in Paris wäre möglich mit den Spielen Blanc Mesnil Sport Football vs. FC Nantes und Entente Sannois Saint-Gratien vs. FC Toulouse. Also zweimal Amateure gegen einen Erst Ligist, durchaus reizvolle Partien. Auch die Entfernung von 12 km von Stadion zu Stadion erschien auch machbar wenn alles perfekt läuft. Wobei 12 km in einer Großstadt durchaus zum Problem werden können.

Das Spiel um 15 30 h zwischen Blanc Mesnil und Nantes wurde aus Sicherheitsgründen in das altehrwürdige und vom nahen abriss bedrohte Stadion von Red Star Paris verlegt. Das Stade de Paris, oder auch Stade Bauer genannte Stadion liegt mitten im Wohngebiet von Saint Quen. Perfekte Gelegenheit das 1909 eröffnete Stadion noch zu Besuchen. Damals hatte das Stadion ein Fassungsvermögen von 18000 Zuschauern, heute sind nur noch 2999 Zuschauer zugelassen. In dem Stadion wurden auch Diverse Spiele bei den Olympischen Spielen 1924 ausgetragen, somit wurde das Stadion zur Hauptattraktion der Tour auserkoren. Der Plan stand somit in Stein gemeißelt fest, so dass der Leihwagen für Samstagmorgen reserviert wurde. Pünktlich um 8 h holte ich das Wägelchen ab, auch der Rest der Reisegruppe hatte sich eingefunden so dass es Zeitnah losging.

Die Route führte uns über Landstraßen direkt nach Paris, das dauerte 1,5 Stunden länger, allerdings hatten wir genügend Zeit um uns die Maut zu sparen, die ja mit ca. 30 Euro für den hinweg auch recht üppig ist. Nach einigen Pinkelpausen erreichten wir kurz nach 14 h den im Norden von Paris gelegenen Stadtteil Saint Quen. Hier fand gerade so etwas wie ein Straßenmarkt statt, das erleichterte die vorgefundene schlechte Parkplatzsituation nicht gerade. Am Stadion selbst gab es gar keine Parkmöglichkeiten, in erweiterten Umfeld war alles von der Polizei gesperrt. So dass wir uns erstmal durch das Chaos kämpfen mussten, mir erschien das es hier keinerlei Organisation gab. Jetzt wussten wir auch warum Red Star hier seine Heimspiele in Ligue 2 nicht austragen kann. Nicht ganz 2 Kilometer vom Stade Bauer entfernt konnten wir unser Gefährt halbwegs ungefährdet an einer Schule abstellen.

Die Entfernung brachte den Doppler allerdings noch zusätzlich in Gefahr, nun dürfte nicht mehr allzu viel Außerplanmäßiges passieren. Zum Glück fanden wir eine Abkürzung durch einen Park, so dass wir nach knappen 15 Minuten Fußmarsch am Stadion waren. Hier war überall Polizei, an allen Ecken standen Beamte mit Maschinenpistolen, keine Ahnung was die heute hier erwartet haben. Erfreulicherweise waren auch einige hundert Nantes Fans angereist, anscheinend hat man das Auswärtsverbot für den Coupé de France gelockert. Als erstes versorgten wir uns mit Tickets die es zum Einheitspreis von 10 Euro gab, das wichtigste war somit erledigt. Nun konnten wir uns das Stadion von außen mal genauer ansehen, und ein paar Fotos davon für die Nachwelt machen. Schon Total abgefuckt die Bude, auch gab es nur die Möglichkeit von einer Seite das Stadion zu betreten. 

Nun wurde es aber Zeit sich zum Eingang zu begeben da der Einlass durch die Sicherheitskontrollen etwas Zeit in Anspruch nahm. Man wurde 3-mal durchsucht, und das nicht gerade Intensiv, da fragt man sich schon was für ein Zweck das hat wenn 3 Leute hintereinander nicht genau hinschauen. Aber egal wir waren endlich im Stadion, auch hier fiel einem direkt der Desolate Zustand ins Auge. Wir gingen ganz nach Hinten auf die bereits gut gefüllten Tribünen, von dort aus hatten wir beste Sicht auf das ganze Stadion. Auch von Innen war die Bude Verranzt ohne Ende, aber an jedem Eck konnte man die Geschichten die dieses Stadion bestimmt zu erzählen hat erahnen und Riechen. Offiziell war es mit 2999 Zuschauern Ausverkauft, wie andere Hopper Berichteten wurde aber alle die keine Karte mehr bekamen doch noch reingelassen. Sehr anständig von den Franzosen.

Um uns herum hatte sich so eine Art Heim Mob Positioniert und feuerte sein Team Lautstark an, Anfang der zweiten Halbzeit legten die Jungs sogar noch eine Pyroshow hin. Alles mehr oder weniger Unorganisiert aber ansehnlich. Bei Blanc Mesnil schien es sich um einen Club zu Handeln der größtenteils aus Spielern und Fans mit Migrationshintergrund zu bestehen schien.

Die Fans der Kanarienvögel aus Nantes befanden sich auf der Gegengeraden die ansonsten Gesperrt war, hatten aber was den Support betraf da natürlich etwas mehr Routine und Spielten ihr Supportprogramm gekonnt ab. Ich muss schon sagen das war mit der Beste Auswärtssupport den ich je in Frankreich gesehen habe. Zu Beginn der 2. Halbzeit hantierte der Heim Mob noch mit Pyro, über 90 Minuten war hier eine Klasse Atmosphäre zu bestaunen.

Das Spiel begann mit 5 Minuten Verspätung, das war schon mal ganz schlecht, da konnte man schon erahnen dass es für das 2. Spiel eng werden würde. Daher wechselten wir in der Halbzeit unsere Position, und gingen in den Stehplatzbereich dicht am Ausgang. Aber auch die Pause dauerte ein paar Minuten länger, so dass unser Zeitpuffer weiter Schmolz. Beim Spiel kämpften die Amateure verbissen gegen die Profis, und gingen auch verdient mit 0-0 in die Kabinen. Bis zu dem Zeitpunkt war nicht wirklich ein 4 Klassen Unterschied zu erkennen, allerdings auch zu befürchten das in der zweiten Hälfte die Kräfte nicht mehr Reichen würden für den Einsatz den sie bislang brachten.

Folgerichtig kam dann der FC Nantes vermehrt zu Chancen die Kaltschnäuzig zum 0-2 Endstand genutzt wurden. Mit 7 Minuten Nachspielzeit setzte der Schiedsrichter aber nochmal einen drauf, somit waren von unserem üppigen Zeitpuffer nichts mehr über. Theoretisch sollte es Reichen, aber ich ahnte schon das es wahrscheinlich nicht Pünktlich zum Anstoß Reichen würde. Nach dem Abpfiff Sprinteten wir was die Beine hergaben zum Auto, das Gott sei Dank noch an seinem Platz stand. Die Navi zeigte 12,1 Kilometer Entfernung zum Ziel und eine Fahrzeit von 22 Minuten, könnte also eine Punktlandung geben. Da die Route quer durch Paris Führte, durfte dies allerdings bezweifelt werden. Nach einigen Ampelstaus kamen wir 2 Minuten vor dem eigentlichen Kick Off am Stadion an, allerdings hatten wir noch keinen Parkplatz. Am Stadion war eine Riesige Menschenschlange zu sehen die Einlass begehrte. Das Auto Parkten wir in einiger Entfernung zum Stadion in einer Seitenstraße, somit wurde ein Neuerlicher Sprint diesmal zum Stadion hin nötig. 

Zwischenzeitlich war die Schlange noch größer geworden, nun stellten wir aber fest das die Menschen Anstanden um sich eine Eintrittskarte zu Kaufen. Unglaublich, noch unglaublicher war die Länge der Schlange mit ca. 100m. Wir hofften das wegen dem Andrang der Anpfiff später erfolgen würde, aber vergeblich der Anpfiff erfolgte Pünktlich. Nun ja, wenn bei so einem Spiel nur 1 Kassenhäuschen geöffnet hat ist das schon Fragwürdig, muss man auch nicht verstehen. Während die anderen sich anstellten machte ich mich auf den Weg um nach Alternativen Zugangsmöglichkeiten zu suchen, aber Vergebens überall war Polizei.

Bei den anderen in der Schlange lief es nicht weniger ernüchternd, nach 20 Minuten Wartezeit waren die auch noch nicht in der Nähe der Kasse. Die zwei Jungen Mädchen in dem Häuschen waren schlichtweg überfordert mit der Situation und den Tränen nahe. Eine Schnelle Flexible Lösung wäre für alle wohl das Beste gewesen, aber man ist hier ja in Frankreich. Da war eine Lösung mindestens so weit weg wie das Kassenhäuschen. Wir beschlossen für uns die beste Lösung, und brachen das Vorhaben an dieser Stelle ab. In der 30 Spielminute war die Halbzeit näher als die Tickets. Unorganisierter Sauhaufen!!!

Es machte einfach keinen Sinn, zumal es auch schon 0-3 für den Erstligisten aus Toulouse stand. Da wir mit dem Stade Bauer schon die Hauptsache für diese Tour abgehakt hatten, war es nicht ganz so Dramatisch. Also zurück zum Auto und Richtung Heimat. Kurzzeitig keimte noch etwas Hoffnung auf als wir von der Autobahn aus Flutlicht sahen. Diesem folgten wir mussten aber enttäuscht feststellen das es sich um ein gerade beendetes Rugby Spiel handelte, so das auch hier nichts holen war. Nach kurzen Check einschlägiger Webseiten stellten wir fest das kein Spiel mehr machbar wäre heute. Die gewonnene Zeit Investierten wir somit in die Mautfreie Rückfahrt. Im Dunkeln über Französische Landstraßen zu fahren ist allerdings gar nicht Prickelnd, aber weitere 30 Euro gespart. Gegen 1 Uhr bettete ich mein Haupt zu Hause auf mein Kissen, der Rest der Truppe musste noch nach Trier fahren. Trotz allem war es wieder einmal ein Riesen Spaß mit den Jungs auf Tour zu sein. Und das Stade Bauer hat Letztendlich auch alle entschädigt.

Klasse Auftakt für 2016 !