Eine Odysee nach England

Als bekannt wurde das der FCK ein Freundschaftsspiel auf der Insel austrägt, genauer gesagt beim FC Brentford. War klar irgendwie will das gemacht werden, also kurzerhand den Billigflieger meines Vertrauens gecheckt, dieser hatte einige interessante Angebote.

Letztlich entschied ich mich, auch der Kosten wegen mit Tobi zur Tour im Leihwagen.

Das dies solche fatalen Folgen haben sollte war allerdings nicht zu erahnen. Allerdings hätte eine kurze Recherche im Internet hier geholfen, auch alte Hasen im Goundhoppinggeschäft lernen nie aus.

Auch die Tatsache dass außerdem Spiel in Brentford wohl auch sonst nicht viel mitgenommen werden könnte, schreckte uns nicht ab.

Somit ging es am Samstagmorgen um 1 H los in Richtung Calais.

Nach dem in Trier zugestiegen wurde und der Rest der Reisegruppe eingesammelt war, kam die Gewissheit das es mit 6 Personen im Auto nicht sehr gemütlich werden würde.

Wird schon gehen, ging noch immer irgendwie. Sie ersten 500 Km verliefen ruhig, der Großteil der Wagenbesatzung schlief friedlich oder widmete sich einem sonstigen Zeitvertreib.

Am Fährterminal angekommen kam langsam Bewegung in die Truppe, hierbei stellten zwei Personen aus unserer Reisegruppe fest dass sie ihren Ausweis zu Hause vergessen hatten🙈.

Ich war zuerst schockiert das man so ein Dokument einfach vergessen kann, ich erinnerte mich aber das mir das auch schon passiert ist. Nur konnte ich den Fauxpas noch Rechtzeitig korrigieren, in dem Fall aber völlig unmöglich.

Daher schaute ich mich sofort nach alternativ Veranstaltungen in der Nähe um.

Allerdings regelte die Truppendynamik die Situation anders.

Die zwei wurden in Calais zurückgelassen, und mussten nun gut 24 h gammeln. Der Fahrer wollte seinen Länderpunkt nicht in Gefahr bringen, daher ging es ohne weitere Unterbrechungen Richtung Fähre die pünktlich erreicht wurde. Ich hätte auch mit einer anderen Entscheidung leben können, als Mitfahrer hielt ich mich dann einfach mal raus aus der Entscheidung.

Der Kahn legte pünktlich ab, so wurden alle Chancen gewahrt was das eventuelle 11h Spiel anging.  Auf der Fähre machten wir es uns erstmal in einer Sitzecke bequem. Die Überfahrt verlief sehr ruhig, was meinem diesbezüglich empfindlichen Magen sehr entgegen kam. Nach gut anderthalb Stunden landeten wir in Dover bei bestem Wetter an. Wir suchten den direkten Weg zur Autobahn um unseren Zeitplan nicht unnötig in Gefahr zu bringen. Die Navi versprach uns ein beruhigendes Zeitpolster von 35 Minuten bis zum Kick Off.

Sehr beunruhigend hingegen war der Stau in Richtung Dover, dieser schien überhaupt kein Ende nehmen zu wollen. Die Autos standen in der prallen Sonne auf einer Länge von gut 25 Kilometern. Das muss Stunden dauern bis die am Hafen sind. Und bis wir später zurück mussten konnte sich dieser Stau sicher nicht auflösen. Die Szenen auf der Gegenfahrbahn erinnerten mich direkt an den Film "Superstau". Irgendetwas war hier faul, wir würden bestimmt noch herausfinden was.

Aber zunächst wollten wir nach Cobham, dort wollten wir uns das Testspiel der U18 von Chalsea vs. MK Dons um 11h ansehen. Im Vorfeld war schon zuhören das es zum Problem werden könnte, aber es war ja nur ein Testspiel und außerdem die Einzige Chance auf ein zusätzliches Spiel auf dieser Tour. Und in der Tat, wir waren gerade abgebogen stand auch schon ein Sicherheitsmann vor uns. Dieser erklärte uns dass es normalerweise nicht möglich ist ohne Einladung ein Spiel hier zu sehen, er wollte aber mal sehen ob er was machen kann. Er Telefonierte mit einigen Vorgesetzten, diese hatten nichts gegen unsere Anwesenheit das müsste allerdings noch der Boss absegnen. Dieser sagte aber No, wir waren knapp davor aber sel avie, kann man nichts machen. Ein Lob muss ich aber dem Aufpasser aussprechen, sehr sehr freundlich bemühte er sich sehr intensiv um unser Vorhaben doch noch zu realisieren. In Deutschland wären wir wahrscheinlich gleich vom Hof gejagt worden.

Also dann eben direkt nach Brentford zum Griffin Park. Da wir nun beizeiten hier waren bekamen wir auch noch einen perfekten Parkplatz in der Nähe.

Der erste Pub war schon von FCK Fans besetzt, so wurde kurzerhand auf der Straße weitergefeiert. Auch die anderen Pubs in der Nähe waren Fest in Lautrer Hand. Insgesamt dürften heute ca. 1100 Frauen und Männer den Weg nach London gefunden haben. Kann man so lassen, respektable Anzahl für ein Freundschaftsspiel. Es gibt Vereine in der Bundesliga die schaffen es selten mehr als 300 Leute zu einem Auswärtsspiel in Deutschland mitzubringen. Auch unsere Freunde vom Depp05 werden International da ganz sicher nicht mithalten können.

Der Griffin Park liegt mitten in der Stadt, alles sehr beengt hier. Selbst die Mannschaften müssen zu Fuß kommen, da hier kein Bus Parken kann. Das war auch das nächste Problem, wo sollten die ganzen Fan Busse Parken? Die Polizei schien diesbezüglich wenig vorbereitet zu sein.

Nach ein paar Bieren ging es nun hinein in das gute Stück, typisch englisches Stadion. Leicht verrantzt überall, und stellenweise Verbaut präsentierte sich das Stadion und konnte den Eindruck von unserem Rundgang bestätigen. Nur hier gab es selbst in 2. Englischen Liga noch massig Stehplätze. Der Gästebereich füllte sich immer mehr, besonders die Stehhalle im Unteren Bereich erfreute sich wegen des Schattens großer Beliebtheit. Alle größeren Gruppen die etwas auf sich halten waren heute hier, ein paar wenige sind aus verschiedenen Gründen auf der Strecke geblieben. So fanden sich am Ende ca. 1100 unentwegte im fernen Brentford ein, was für ein Testspiel eine mehr als ordentliche Anzahl ist.

Den Support fand ich heute als sehr Ausbaufähig, mir wurde zu viel Kopiert und der übliche Singsang präsentiert. An diesem Tag wäre man mit unserem klassischen Pfälzer Liedgut deutlich besser gefahren, daher kam die klare übermacht was Stimmung anging nicht wirklich auf.

Das Spiel hingegen wusste über weite Strecken zu überzeugen. Da habe ich schon schlechteres gesehen in der Vorbereitung.

Das Spiel endete 1-1 allerdings wäre auch ein Sieg für uns drin gewesen. Kämpferisch war das O.K. bei dem Wetter, solange der Einsatz stimmt kann man über ein paar Fehler hinwegsehen.

 

Doch nun stand das weitaus größere Problem im Fokus, der Rückweg! Schon während dem Spiel wurde durchgesagt das alle Busbesatzungen umgehend abfahren müssten, da es erhebliche Wartezeiten in Dover gäbe. Auch wir haben während des Spiels schon die Situation via Internet beobachtet, da waren Angaben von bis zu 12 Stunden Wartezeit. Na das kann ja heiter werden.

Hinten anstellen war aber definitiv keine Option. Daher gab es zur Halbzeit ein intensives Googlemaps Studium, bei dem man zu dem Ergebnis kam das es auch schneller gehen könnte.

Also ging es direkt nach dem Abpfiff los Richtung Kanal. Erst über die Autobahn und dann über 60 Kilometer Landstraßen, das hatte auch noch den Vorteil noch etwas vom ländlichen England zu sehen. Und Tatsächlich, unser Plan ging so weit auf das wir 6 Kilometer vorm Hafen zum Stillstand kamen. Auch hier hätten wir noch eine Option überprüfen können die uns vielleicht noch etwas näher ran gebracht hätte.

Aber auf jeden Fall besser als 20 Kilometer Stau! Dennoch brauchten wir für die paar Kilometer 3 Stunden, aber wir hatten ja ein sehr großes Zeitpolster. Dieses hätten wir allerdings lieber in ein Spielbesuch investiert, aber leider war nix passendes zu Finden. In dem Fall war es aber auch ein riesen Glück.

Endlich waren wir im Fährhafen angekommen, nun mussten wir nur noch die Hürde der Französischen Passabfertigung nehmen. In unserem Fall, wie auch tausendfach um uns herum die Wurzel des Übels hier. Die Franzosen machten Intensive Grenzkontrollen wegen der letzten Terroranschläge in ihrem Land.

Wobei sie bei der Ausübung der Kontrollen kein gutes Bild abgaben. Nach über 2 Stunden Wartezeit in einer 200 Meter langen Schlange wollte der Franzose in seinem Verschlag nicht einmal unsere Ausweise sehen, und lies uns Unkontrolliert Passieren. Das muss man nicht verstehen...

Unser Fahrer verlor kurzzeitig die Contenance und erklärte dem Flüttkopp warum in ihrem Land nichts funktioniert.

Aber die Erleichterung endlich die Schikane der Franzmänner gemeistert zu haben überwiegte. Dennoch blieb festzustellen dass dieses Volk absolut gar nichts kann. Wenn so die Kontrollen aussehen muss man sich über gar nichts Wundern.

Aber egal, wir haben unsere Reservierte Fähre erreicht. Das dürfte heute bei diesen Bedingungen nicht jedem so ergangen sein. Diese hatte aber bisher 45 Minuten Verspätung, die gehen auch noch irgendwie vorbei. Wir vertrieben uns die Zeit damit uns das Fährterminal mal etwas genauer anzusehen. Hier mussten wir feststellen das hier jeder Rumlaufen konnte wo er wollte. Sicherheitsvorkehrungen? Auch hier völlige Fehlanzeige!

Um 1h war es soweit, wir fuhren mit unserem Gefährt als erste auf die Fähre, das nach ca. 6 Stunden Wartezeit. Was für eine Erleichterung!

Wir sicherten uns eine Sitzecke ganz vorne auf Deck 7 von dem Kahn. Tobi, unser Fahrer, machte es sich direkt auf der Bank gemütlich und schlummerte vor sich hin. Auch der Rest der Truppe entfloh Richtung Lummer Land, war eine echt harte Tour bisher.

Die Rückfahrt war nicht ganz so ruhig, immer wieder wurde ich kurz Wach weil das Boot heftig Wackelte. Aber der schlaf übermannte mich immer wieder. Letztlich kamen wir mit 1 Stunde Verspätung in Calais an, mit Erreichen des Festlandes dachte ich das die Odyssee nun ein Ende hätte. Zuerst wurden noch die am Fährterminal wartenden Ausweislosen

Mitfahrer eingeladen, nun konnte es Endlich Richtung Heimat gehen. Aber selbst hier schafften wir es noch die ein oder andere Stunde wegen Stau und Spritmangel liegen zu lassen. Gegen 10h waren wir endlich in Trier, die Schlussetappe nach Pirmasens schaffte ich dann doch ohne Probleme, wo ich um 12h aufschlug.

Bei einem Frühstück mit meiner Frau wurde das erlebte gleich geteilt. Danach ging es ohne Probleme zum Sportfest der SF Germania Winden! Ausruhen kann man wenn man Tod ist!

Tour vorbei! Auch diese war irgendwie Geil. Auf jeden Fall werde ich mich immer daran erinnern...