23.10.2000 18 Stunden Griechenland

23.10.2000 18 Stunden Griechenland

 

Als das Los uns in der 2. Runde des Uefa - Pokals den griechischen Erst Ligisten Iraklis Saloniki bescherte war klar, dass wir beim Hinspiel vor Ort sein müssten.

Am Nächsten Tag buchten wir, Thomas und ich im Reisebüro Hin - und Rückflug mit der bekannten Cronus Air, von Stuttgart aus nach Thessaloniki für jeweils 300 DM.

Donnerstags morgens fuhr uns die Mutter von Thomas nach Stuttgart zum Flughafen.

Dort angekommen checkten wir ein, und gönnten uns einen Imbiss und ein paar Getränke gegen die Flugangst.

Im Flugzeug wurden wir natürlich direkt als Lautrer identifiziert und mit Fragen gelöchert, die Griechen im Flieger wünschten uns alle viel Glück. Der Höhepunkt des Fluges sollte ein im ersten Moment nicht gleich als Nudelauflauf zu erkennender Leckerbissen sein, der bis heute seines gleichen sucht. Dieser undefinierbare Kulinarische Höhepunkt wurde mit ein paar Bieren runtergespült, in der Hoffnung dass er da unten auch irgendwie bleiben würde.

Ein in Griechenland lebender deutscher Landsmann gab uns nach der Landung den Tip, nicht wie geplant die Nacht am Flughafen zu verbringen, sondern besser ein Hotel aufzusuchen. Er empfahl uns eines in der Innenstadt, das sich im Nachhinein als Luxusherberge raus stellte.

Also rein ins nächste Taxi und ab in die Stadt. Die Taxis in Griechenland sind eine Story für sich, keines das wir benutzten hatte unter 300000 KM auf der Uhr. Was auch durchaus erwähnenswert ist, das in allen Taxis die Türverkleidungen und Sitzpolster in Folie Verschweißt sind. Warum das so ist blieb nur zu erahnen.

Als wir das Hotel betraten, war klar dass dies ein teurer Spaß werden würde. Man begutachtete uns als Erstes von oben bis unten,aber das war uns eigentlich egal. Deshalb fragten wir auch gleich an der Rezeption, ob sie vielleicht ein Zimmer für uns hätten. Die freundliche Dame nannte uns den Zimmerpreis in der Hoffnung dass wir aufgrund dessen das Weite suchen würden, aber weit gefehlt. Wie auf Kommando zogen wir beide unsere Kreditkarte und legten sie auf den Tresen mit den Worten, sie solle sich nehmen was sie braucht. Die gute Frau war so verdutzt das Sie uns direkt einen Zimmerschlüssel gab ohne einen Namen, oder gar einen Ausweis von uns geben zu lassen. Was sich als schwerer Fehler ihrerseits herausstellen sollte. Das Zimmer war riesengroß und mit jeglichem Komfort ausgestattet, gut ich denke das kann man bei 300 DM pro Nacht auch erwarten. Die erste Tat von Thomas war, dass er die Klimaanlage bis zum Anschlag hochfuhr. Was aber bei der Jahreszeit eigentlich nicht mehr unbedingt von Nöten gewesen wäre, dies begründete er damit das wir ja schließlich auch dafür bezahlt hätten. Nachdem man die Lauterer in der gegenüberliegenden Herberge mittels zuwinken begrüßt hatte, stellten wir einen Teil unserer Biervorräte in der Minibar kühl.

Nun, 2 1/2 Stunden vor dem Spiel, machten wir uns auf den Weg zum Stadion. Auf der Straße angekommen stellte sich heraus dass alle Taxis besetzt waren, den FCK Fans auf der anderen Straßenseite erging es auch nicht besser. So haben wir uns entschlossen einen weitere Annehmlichkeit unseres Hotels zu nutzten, und ließen uns ein Taxi rufen. Dieses tauchte noch keine 2 min. später auf, um uns zum Stadion zu bringen.

Die Jungs auf der anderen Seite versuchten derweil immer noch verzweifelt auf sich aufmerksam zu machen. Der Taxifahrer wusste anfänglich nichts mit uns anzufangen, und hielt uns sogar für Aserbaidschaner. Thomas war ob der Behauptung ganz aufgebracht, konnte aber wieder beruhigt werden. Man erklärte dem Taxifahrer, wo er uns hin zubringen hatte, danach hat er auch endlich kapiert mit wem er es zu tun hatte. Dann kam er auf ein Thema, das ich bis heute noch nicht verstehen kann:

Die Griechen hielten unseren Igli Tare für den absoluten Superstar unserer Mannschaft.

Ich konnte den Taxifahrer aber beruhigen, und sagte ihm dass Er an diesem Abend wohl eher nicht zum Einsatz käme. Dieser meinte, das dann die Siegchancen der Einheimischen dadurch beträchtlich stiegen. Wir ließen ihn in diesem Glauben und stiegen am Stadion aus.

Dort war auch schon ein Teil der 200 Unentwegten angekommen. Der Block, der auf unseren Karten angegeben war, erwies sich als falsch. Wir wurden kurzerhand auf der anderen Seite des Stadions untergebracht. Allerdings war von einheimischen Fans nichts zu sehen rund ums Stadion. Am Eingang sollte uns sogar das Kleingeld abgenommen werden, das konnten wir aber mit sachlichem Protest verhindern.

Das Stadion präsentierte sich innen als nicht überdachte “All Seater Schüssel”, die man wohl eher als unteren Durchschnitt bewerten konnte. Dem Spiel letztendlich wohnten ca. 10000 Fans bei. Die Griechen sangen das komplette Spiel über durch, nicht einmal in der Halbzeit verstummten ihre Gesänge. Die Atmosphäre war allerdings aufgrund der Bauweise des Stadions nicht gerade berauschend. Man wollte sich natürlich noch was Landestypisches gönnen, so entschieden wir uns für die im Stadion angebotenen Würste. Was für ein Fehler, selten habe ich in etwas widerlicheres rein gebissen als in diese Wurst.” PFUI DEIWEL”!!

Was genau das war, konnte man nicht feststellen, es schmeckte jedenfalls furchtbar nach salzigem Fisch. Die Dinger sind daraufhin auf dem direkten Weg in den Mülleimer gewandert.

Das Spiel gewannen wir souverän, das konnte auch unser Ex-Torwart Andy Reinke nicht verhindern. Am Ende des Spiels kam er auch artig zu uns in die Kurve um uns zu begrüßen. Wir verließen das Stadion und wieder waren keine Griechen zu sehen, merkwürdig das Ganze. Hinter der Haupttribüne stand ein VW Bus mit Lautrer Kennzeichen. Diese Busbesatzung hatte unseren Respekt verdient, Fuhren sie doch ca. 3000 Km (wohlgemerkt einfache Strecke), und mit diversen Fähren. Ich konnte mir nicht vorstellen dass es billiger sein sollte mit dem Auto hierher zu fahren, als für 300 DM zu Fliegen. Jedenfalls deckten wir uns noch mit Souvenirs ein und machten uns dann auf den Rückweg zum Hotel.

Eigentlich wollten wir zu Fuß gehen, entschieden uns dann aber kurzfristig dazu ein Taxi zu nehmen, das von einem P.A.O.K Fan pilotiert wurde. Er bedankte sich bei uns für den Sieg über den verhassten Stadtrivalen und brachte uns sicher in die Innenstadt.

Im Hotel angekommen entspannenden wir uns etwas mit heimischen Gerstensaft, bevor wir uns auf Nahrungssuche begaben. Die Wurst im Stadion war ja bekanntlich nicht sonderlich schmackhaft. Wir konnten in der Stadt aus einem reichhaltigen Nahrungsangebot auswählen und entschieden uns für ein Gyros, das bis dahin seinesgleichen suchte, sogar Pommes waren auf dem Teil. Nach der Mahlzeit zogen wir durch die Stadt, dabei verringerten wir noch das Gewicht unseres Handgepäcks, und tranken noch ein paar Biere aus unserem Vorrat.

Auf einer Bank vor der historischen Stadtmauer entspannten wir noch ein wenig.

Die Ruhezeit verkürzten wir uns damit, über die verschiedenen Baustiele der Mauer zu diskutieren. Nur schade dass ich darüber keine Bilddokumente erstellen konnte, weil mein Foto den Dienst verweigerte. Zurück im Hotel, meinte Thomas dass es in diesem Hotel bestimmt möglich wäre, sich käufliche Liebe aufs Zimmer zu bestellen.

Nach kurzer Überlegung ließ er dann aber doch von seinem Vorhaben ab. Und wir gönnten uns noch ein paar Biere und zappten uns durch das Fernsehprogramm, wobei wir beide dann irgendwann einschliefen.

Am nächsten Morgen um 7 Uhr sollte unser Flieger zurück in die Heimat abheben. Da wir zeitlich gesehen, sehr knapp dran waren verzichteten wir aufs Frühstück, um pünktlich am Flughafen zu sein. Beim auschecken  sagte man uns dass die Rechnung ja schon am Vortag von uns bezahlt worden sei, was ja allerdings nicht der Fall war und uns wie bereits erwähnt zu einer billigen Übernachtung verhalf. Am Flughafen trafen wir dann wieder auf den Rest der Truppe, der sich auf unterschiedlichste Art und Weise die Nacht um die Ohren gehauen hatte.

Thomas, hatte sich, gegen meinen Rat, eingeschweißte Sandwiches gekauft, die er gleich nach dem Öffnen auch direkt in die Mülltonne beförderte.

Die Griechen haben was Snacks angeht weitestgehend einen ganz merkwürdigen Geschmack, der absolut nichts für meinen Gaumen ist, der Kaffee am Flughafen war ebenfalls ungenießbar.

Manche schafften nur unter größter Anstrengung dem Weg zum Flieger durch einen Tunnel, hatten sie doch die ganze Nacht in einer Disco durchgesoffen. Der Rückflug verlief, außer das Thomas von einem Griechen die ganze Zeit zugelabert wurde, absolut ereignislos.

Am Flughafen in Stuttgart wartete dann auch schon unser Taxi, in Form meines Vaters darauf, uns nach 18 Stunden Griechenland wieder nach Hause zu bringen.